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ENGAGEMENTFÖRDERUNG IN EIGENREGIE

Neben unserem Kerngeschäft, der Vermittlung zwischen engagementinteressierten Kölner/-innen und gemeinnützigen Einrichtungen, ruft die Kölner Freiwilligen Agentur auch eigene Projekte ins Leben.

 

DUO

 

SCHÖNE STUNDEN FÜR MENSCHEN MIT DEMENZ

 

Projektbeschreibung Duo vermittelt Freiwillige zur stundenweisen Betreuung von Menschen mit Demenz, die zu Hause leben. Die Freiwilligen werden in einer vorbereitenden Schulung qualifiziert und besuchen anschließend für meist zwei bis vier Stunden wöchentlich eine oder mehrere Personen mit Demenz. Wir unterstützen ihr Engagement durch Erfahrungsaustausch, Supervision und regelmäßige Fortbildungen. Die Familien werden ebenfalls persönlich beraten, und der Kontakt wird fortlaufend begleitet.

 

Aktuelles 127 Freiwillige haben sich im vergangenen Jahr bei DUO engagiert. In 103 Familien haben die Freiwilligen insgesamt 12.174 Betreuungsstunden geleistet. Im Rahmen der von DUO initiierten „Lokalen Allianz für Menschen mit Demenz in Zollstock“ haben wir unsere Aktivitäten zur Verbesserung der gesellschaftlichen Teilhabe von Menschen mit Demenz und ihren Familien sowie zur Stabilisierung der häuslichen Versorgung ausgeweitet.  In Schulungen haben wir Hilfestellungen für den Umgang mit Menschen mit Demenz gegeben. Zwei Schulungen waren für Bankangestellte, eine für Menschen im Veedel, die in ihrer Nachbarschaft kompetenter mit dem Thema Demenz umgehen möchten. Nun können sie besser reagieren und gegebenenfalls an das Kölner Hilfesystem weitervermitteln. Für die interessierte Öffentlichkeit haben wir den Spielfilm „Stiller Abschied“ zum Thema Demenz mit anschließender Infoveranstaltung vorgeführt.

 

Wirkungsweise Freiwillige erleben bei den DUO-Besuchen, wie wertvoll ihr Engagement für andere ist. Sie werden durch die Erkrankten überrascht, herausgefordert und wertgeschätzt. Aus Gesprächen mit den Freiwilligen wissen wir, dass sie das Engagement als sinnstiftende Tätigkeit erleben. In ihrem Umfeld wirken sie als Botschafter für das Thema Demenz, indem sie von ihren Erfahrungen berichten. Durch gemeinsame Aktivitäten mit den Erkrankten im öffentlichen Raum tragen die Freiwilligen zur Enttabuisierung und Normalisierung des Miteinanders von Menschen mit und ohne Demenz bei. Familien erfahren durch die DUO-Besuche Entlastung, die dem Erkrankten und/oder den Angehörigen ermöglicht, den eigenen Bedürfnissen gemäß Zeit zu verbringen. Dadurch steigt die (momentane) Lebenszufriedenheit. Mit Hilfe von DUO können Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen stärker am sozialen Leben partizipieren. Langfristig möchte DUO dazu beitragen, dass Demenz als Lebensform und als eine Gemeinschaftsaufgabe wahrgenommen wird.

 

Fakten

Laufzeit: seit 2006

Hauptamtliche Mitarbeit: Corinna Goos, Rita Braun (19,5 Stunden plus Honorarstunden)

Ehrenamtliche Mitarbeit: 1 Person

Kosten:  40.200 Euro (weiteres Budget beim Kooperationspartner)

Kooperationspartner: ASB Köln

Netzwerke & Dachverbände: Arbeitsgemeinschaft niedrigschwellige Dienste Köln

Förderer: Stadt Köln, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Anfragen: ca. 70 Personen

Beratungen: 42 Personen

Ehrenamtliche Helfer/-innen: 127. Davon neu vermittelt: 24 Menschen mit Demenz, die betreut wurden: 103

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Willkommen für Flüchtlinge

 

FREIWILLIGE UNTERSTÜTZEN FLÜCHTLINGE

 

Projektbeschreibung Immer mehr Menschen wollen sich für eine weltoffene, solidarische Gesellschaft engagieren. Ein Beispiel dafür zeigt sich in der Willkommenskultur für Flüchtlinge. Diese kann sich sehr unterschiedlich gestalten. In Köln gibt es zum Beispiel viele lokal tätige Willkommensinitiativen; Akuthilfe-Angebote wie das Drehkreuz am Kölner Flughafen, Projekte im Kunst- und Kulturbereich, niedrigschwellige Aktionen zwischen Freiwilligen und Geflüchteten oder langfristige Patenschaften. So verschieden die Angebote, so unterschiedlich die Freiwilligen: Sie engagieren sich aus sozialen Motiven, wollen politisch mitgestalten oder interkulturell lernen, organisieren sich selbst oder suchen die Einbindung in Projekte mit festem Rahmen und Ablauf; sie sind Langzeitengagierte oder erstmalig freiwillig tätig. Gemeinsam mit dem Kölner Flüchtlingsrat unterstützen wir diese Vielfalt mit inzwischen drei Projekten. Bei „Mentorenschaften für Flüchtlingsfamilien“ übernehmen Freiwillige eine sechsmonatige Mentorenschaft für eine neu nach Köln zugewiesene Flüchtlingsfamilie. Bei den einjährigen „Patenschaften für die außerschulische Förderung von Flüchtlingskindern“ fördern Freiwillige Flüchtlingskinder im Grundschulalter, damit sie schneller in eine Regelklasse wechseln können. In beiden Projekten werden die Freiwilligen vorab qualifiziert und in ihrem Engagement begleitet. Unser drittes Projekt, das Forum für Willkommenskultur, versteht sich als Unterstützer der Kölner Willkommensinitiativen, will Anlaufstelle für Freiwillige in der Flüchtlingsarbeit sein sowie ihre Vernetzung und ihren Austausch fördern. Zudem setzt das Forum eigene Impulse, um die Willkommenskultur für Flüchtlinge weiterzuentwickeln und dadurch deren Ressourcen und ihre gesellschaftliche Teilhabe zu stärken.

 

Aktuelles Das Forum für Willkommenskultur war in seinem ersten Jahr unter anderem hier aktiv: 23 Beratungs- und Informationsgespräche „vor Ort“, Aufbau eines Dolmetscherpools (mit bisher 126 Freiwilligen), 17 Fortbildungen, elf Energiestationen (Supervisionstreffen), 15 Ausgaben eines Online-Rundbriefs, vier Vernetzungstreffen und ein BarCamp. Viele Veranstaltungen fanden in Kooperation mit der Melanchthon-Akademie statt. Das Ende einer Mentorenschaft bedeutet nicht immer das Ende des Engagements: Freiwillige aus der zweiten Mentorenrunde (Ende Oktober 2014) treffen sich selbstorganisiert zu einem monatlichen Stammtisch. Freiwillige unterstützen das Mentorenprojekt nicht nur durch Zeit, sondern auch über ihre Arbeitgeber: Aus einer einmaligen Weihnachtsspende der Mitarbeitenden der European Aviation Safety Agency wurden mehrere Frühlings-, Sommer und Winterspenden, Mitarbeitende des JUVE-Verlags überweisen über ihren Arbeitgeber regelmäßig Arbeitslohnspenden. Ehemalige Mentor/-innen und Freiwillige aus Willkommensinitiativen organisieren nach einer mehrtägigen Qualifizierung zu Trainer/-innen für Willkommens-Tandems eigene lokale Mentorenschaften, zum Beispiel über das Projekt „Willkommen im Severinsviertel“.

 

Wirkungsweise Das Interesse bei den Kölnerinnen und Kölnern für ein Engagement im Paten-  beziehungsweise Mentorenprojekt ist nach wie vor sehr hoch, ein oft genannter Grund ist der Lerneffekt durch die Qualifizierung und Begleitung.

Aus Sicht der Mentees erleichtern die Mentorenschaften das Ankommen in der neuen Umgebung, vermitteln ein Gefühl von Sicherheit, Anerkennung sowie Respekt und erleichtern die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben in Köln. Die Freiwilligen schaffen es zudem, mit dem Eigensinn eines Engagierten auf informellen Wegen und unter Nutzung ihrer Netzwerke noch mehr Kölnerinnen und Kölner, Vereine und Unternehmen dafür zu begeistern, sich für eine weltoffene Stadt einzusetzen. Als Multiplikator/-innen tragen sie zudem viel dazu bei, dass mehr Menschen in Köln über das Leben von Flüchtlingen Bescheid wissen. So werden Missverständnisse, Vorurteile und Berührungsängste abgebaut.

 

Fakten
Laufzeit: Mentoren: seit 09/2013, Paten: seit 05/2014, Forum: seit 01/2015
Hauptamtliche Mitarbeit: Gabi Klein, Svenja Rickert, Sonja Niggemeier, Corinna Schüler (seit 11/2015) (80 Stunden im Jahresdurchschnitt)
Ehrenamtliche Mitarbeit: 11 Personen
Kosten: 131.200 Euro (weiteres Budget beim Kooperationspartner)
Kooperationspartner: Kölner Flüchtlingsrat e.V.
Netzwerke & Dachverbände: MentoRing – Kölner Netzwerk für Patenschaften
Förderer: RheinEnergie Stiftung Familie, Stadt Köln, „wir helfen“
Spender/-innen: 20 Personen/Institutionen
Anfragen (zu Engagement, Spenden, Sonstiges): ca. 2.000 Personen
Beratungen: 30 Gruppen-Informationsgespräche mit 323 Personen, zusätzlich ca. 1500 Kurzberatungen (zu Engagement, Spenden, Sonstiges)
Vermittlung Ehrenamtlicher: insgesamt 243 Mentor/-innen und Pat/-innen, davon neu vermittelt in 2015: 157. Zusätzlich ein Dolmetscher-Pool mit 126 Freiwilligen, daraus haben 40 Vermittlungen stattgefunden.
Vermittlung Flüchtlingskinder/ -familien: Insgesamt 104 geflüchtete Kinder und 94 geflüchtete Familien, davon in 2015: 83 Kinder und 53 Familien

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Bürgerbeteiligung

 

IMPULS FÜR EINE NEUE QUALITÄT DER BETEILIGUNGSKULTUR IN KÖLN

 

Projektbeschreibung Wir waren erfolgreich! Die geduldige Vorarbeit, die wir gemeinsam mit Köln Mitgestalten, dem Netzwerk der Kölner Bürgerinitiativen, geleistet haben, wurde belohnt. Der Rat der Stadt beschloss am 12. Mai 2015, einen Leitlinienprozess zur Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern auf den Weg zu bringen. Der Rat der Stadt würdigt die Beteiligung der Bürger/-innen, „unterstützt ausdrücklich die Entwicklung einer Beteiligungskultur für Köln und beauftragt die Verwaltung, einen Prozess der Erarbeitung von Leitlinien und Regeln für die Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern in Köln durchzuführen.“ (Beschlussvorlage des Rates 5. Mai 2015) Diese Leitlinienentwicklung ist in einem trialogischen Prozess geplant, an dem Politik, Verwaltung und Bürger/-innen von Beginn an und in gleichem Maße beteiligt sind. Inzwischen arbeitet das Konzeptionsgremium in weiten Teilen nach den Kriterien, die Köln Mitgestalten entwickelt hat. Die Bürgerinitiativen sind bei der Konzeptentwicklung angemessen vertreten und das Konzeptgremium hat bereits getagt. In der Konzeptionsphase werden Vorschläge für eine zweite Stufe des Prozesses entwickelt, in der die endgültigen Leitlinien erarbeitet werden. Der Weg zu dieser Ratsentscheidung war über zwei Podiumsveranstaltungen und drei Abende des guten Gesprächs vorbereitet worden, von denen eine im vergangenen Jahr durchgeführt wurde. Weiterhin bot die Oberbürgermeisterwahl einen guten Anlass, die Oberbürgermeisterkandidat/-innen zu befragen. Bei einer gut besuchten Veranstaltung konnten Henriette Reker und Jochen Ott ihre Einstellung zum Leitlinienprozess Bürgerbeteiligung vor einem größeren Publikum darlegen. Die Vorarbeit über die Abende des guten Gesprächs hatte inzwischen bei Politik und Verwaltung wie auch bei engagierten Bürgern, die zum Teil schlechte Erfahrungen mit Bürgerbeteiligungsversuchen gemacht hatten, dazu geführt, dass Misstrauen abgebaut wurde und Vertrauen entstanden war. Die Bemühungen, alle Beteiligten dazu zu gewinnen, sich offen mit der Frage von mehr Bürgerbeteiligung für Köln auseinanderzusetzen und aus den Erfahrungen aus anderen Städten zu lernen, führten schließlich zum Ratsbeschluss. Die Verabschiedung der Leitlinien im Rat ist für 2017 geplant. Es sieht ganz so aus, als habe die Kölner Freiwilligen Agentur an einem Anstoß zu einer besseren Bürgerbeteiligung in Köln mitgewirkt.

 

Fakten
Laufzeit: seit 2012
Mitarbeit: Ulla Eberhard, Ossi Helling, Barbara Maubach
Kooperationspartner: Köln mitgestalten – Netzwerk für Beteiligungskultur

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